Ich hatte mir das Eltern sein komplett anders vorgestellt!

 

 

 

Hach, was habe ich mir den Tag herbeigesehnt, endlich mein Baby im Arm zu halten. Der Moment, als dieser Wunsch wahr wurde, war überwältigend! Ich war einfach nur voller Liebe und verspürte endloses Glück und Dankbarkeit.

 

 

 

Vor der Geburt begleiteten mich viele Phantasien, Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen über das Elternsein. Und was soll ich sagen...nach der Geburt haben sich die meisten dieser Gedanken und Vorbereitungen als nicht kompatibel mit der plötzlich veränderten Lebensrealität erwiesen! Vieles wurde besser und schöner als erwartet, vieles wurde anstrengender als erwartet, manche Vorbereitung und Anschaffung hat sich als komplett unnötig erwiesen, dafür hat es an anderen Ecken und Enden gefehlt.

 

 

 

Was einen zu Beginn des Elternseins erwartet ist einfach unerklärlich und nicht planbar!

 

 

 

Wir hatten ein komplett eingerichtetes Kinderzimmer mit Kinderbettchen und allem Pipapo, einen Kinderwagen, einen Haufen Babyklamotten, Plastikwindeln & Co. Gegen ende der Schwangerschaft besorgte ich mir dann doch noch ein Tragetuch, aber eher weil ich es so schick fand. Wir waren der festen Überzeugung, unser Kind schläft nicht in unserem Bett, ich wollte max. ein halbes Jahr stillen, es sollte mit einem Jahr in die Krippe und vieles mehr. Ich hatte Angst vor dem Verwöhnen, Angst das es schreit und ich es nicht beruhigen kann, Angst es falsch zu erziehen, Angst mich nicht durchsetzen zu können und das es mir auf der Nase herumtanzt...all den Kram, den man durch die Medien und diverse Elternratgeber eingeflößt bekommt! Und all die Wertvorstellungen und Erwartungen über gelingende Elternschaft unserer Gesellschaft, welche man ständig im Nacken fühlt.

 

 

Dann war das kleine Wesen aufeinmal da. Ich hielt es im Arm. Viele, viele Tage kuschelten wir Haut an Haut und betrieben Bonding was das Zeug hält! Die tiefe Verbindung, welche wir schon in der Schwangerschaft aufbauten und pflegten, setzte sich ganz natürlich fort. Unsere Beziehung wurde von Tag zu Tag stärker. Ebenso, wie ich ihre Emotionen bereits im Bauch wahrgenommen habe ging es hier draußen einfach weiter!

 

 

 

Wir ließen uns einfach auf die Beziehung ein und vertrauten den Signalen unseres Kindes und unserer Intuition!

 

 

 

So kam es, dass sie vom ersten Tag an in unserem Bett schlief, ich zur Langzeitstillerin wurde, wir sie ausschließlich im Tragetuch trugen, sie keine Krippe besuchte und auch erst spät in die Kita ging, wir sie mit Stoffwindeln wickelten und "Elimination Communication" (Windelfrei) betrieben, wir prompt auf ihre Bedürfnisse reagierten und sie verwöhnten so viel wir wollten. Wir ließen sie nie schreien, nahmen all ihre Gefühle ernst und begleiteten sie bei deren Bewältigung. Durch unsere tiefe Bindungsbeziehung kam uns nie in den Sinn irgendwelche erzieherischen Techniken anzuwenden. Wir führten ein Familienleben in Augenhöhe, waren alle sehr glücklich und fühlten uns pudelwohl!

 

 

 

Und trotzdem schlichen sich wieder Ängste und Unsicherheiten an

 

 

 

Ganz ehrlich, wenn mein Mann, meine Tochter und ich unsere Dreisamkeit lebten, war alles in bester Ordnung! Wir trugen sie GERNE den ganzen Tag herum, wir reagierten GERNE prompt auf ihre Bedürfnisse, mich hat es NULL belastet, dass sie nur in meiner Nähe schlafen konnte, usw., usw. Doch wehe unsere Verwandschaft, Freunde oder wildfremde Menschen auf der Straße bekamen diese Ungeheuerlichkeiten mit - ZACK - schon hagelt es nur so von Verbesserungsvorschlägen und Warnungen vor auf der Nase herumtanzenden Kindern! Und da waren sie wieder, diese "was wenn sich mein Bauchgefühl irrt - das würde ich mir nie verzeihen"-Momente:

 

 

  • "Lass es schreien, dass ist gut für die Lungen"
  • "Du musst es doch mal loslassen und abgeben"
  • "Du verwöhnst Dein Kind"
  • "Es gewöhnt sich daran und wird nie alleine schlafen, laufen, etc."
  • "Es muss lernen alleine durchzuschlafen"
  • "Ihr müsst doch auch mal an euch denken"
  • "Im Tragetuch ist es doch unbequem, ein Baby muss alleine im Bett/Kinderwagen liegen"
  • "Zu lange Stillen ist irgendwann für´s Baby ungesund"
  • "Muttermilch reicht nicht, man muss zufüttern"
  • "Ein Baby braucht einen Schnuller, sonst wird es von der Mutter abhängig"
  • "Babys können ihren Schließmuskel noch nicht kontrollieren"
  • "Euer Baby muss früh dies und das lernen"
  • "In der Krippe lernt das Baby viel mehr als zuhause bei seinen Eltern"

 

 

Ob mann will oder nicht, irgendwann machen sie sich doch wieder bemerkbar, die Ängste und Zweifel daran, ob man gerade wirklich das Bestmögliche für sein Kind macht. Denn genau das will man als Eltern: seinem Kind die bestmöglichen Entwicklungschancen ermöglichen! Im ersten Jahr mit meiner Tochter ging es mir noch oft so, dass ich mich verunsichern ließ und mich ständig in eine Rechtfertigungsposition gedrängt fühlte. Ich war schließlich zum ersten mal Mama und hatte keine Erfahrungswerte. Ich wollte natürlich alles richtig machen und meinem Kind nicht die Zukunft verderben.

 

 

Wenn das Baby Kopf steht

 

 

Besonders schlimm war es, wenn sich meine Tochter in einer der berühmt berüchtigten "Phasen" und Entwicklungsschüben befand, welche jegliche vorherige Routine und Sicherheit über Bord warf. Da kam ich oft ans Ende meiner Kräfte und das Gefühl ALLES falsch zu machen war riesig! Hier hat mir die Verbindung "von Herz zu Herz" sehr geholfen, mein Baby zu verstehen, wodurch ich ganz andere Kräfte mobilisieren und Sicherheit im Handeln gewinnen konnte.

 

 

 

Wenn der gefühlte Rest der Welt alles anders macht

 

 

 

Wenn man auf seine Intuition und den Signalen seines Babys hört und ihnen vertraut, kann es passieren, dass man manch anderen Weg einschlägt, als es den gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Vorstellungen über gelingende Elternschaft und gelingende Kindheit entspricht. Gerade in meiner Familie löste unser Weg große Verwirrung aus und war Anlaß für gelegentliche Konflikte. Doch für uns fühlte sich dieser bedürfnis- und beziehungsorientierte Umgang genau richtig an. Und genau darauf kam es an:

 

 

 

Das es sich für uns richtig anfühlt und nicht für die Anderen!

 

 

 

Ich finde die Aufspaltung in Rabenmütter und Helikoptereltern sehr traurig und kontraproduktiv. Denn im Endeffekt handeln doch alle Eltern aus der gleichen Motivation: weil sie ihr Kind lieben und nur das Beste für es wollen! Auf diese Eltern mit dem Finger zu zeigen weil sie Familie unterschiedlich leben, und aufzuzählen was sie in den eigenen Augen alles falsch machen, damit der eigene Weg als der Richtigere und Bessere dasteht, schafft Spaltung unter den Menschen, die sich in der gleichen Lebensphase befinden: sie wachsen in das Elternsein hinein! Wir sind alle unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen & Erfahrungen - das Betrifft sowohl Eltern als auch ihre Kinder. Wäre es da nicht höchst merkwürdig, wenn wir alle gleich handeln würden? Ist es nicht für alle angenehmer zusammenzuhalten und jedem seinen eigenen Weg zu gönnen, sofern er gewaltfrei und von liebe geprägt ist!?

 

 

 

Auch jetzt half mir die Verbindung "von Herz zu Herz" dabei, im Vertrauen zu bleiben

 

 

 

Zum Glück waren und sind Evolutionsbiologie, Bindungsforschung, Hirnforschung, Baby- und Kleinkindforschung und die Psychoanalytische Entwicklunspsychologie auf unserer Seite und können all die oben aufgeführten Ratschläge und Warnungen entkräftigen und sogar dementieren. Sie lieferten mir das "Futter für´s Hirn" das ich brauchte, um meinen Verstand zu beruhigen und weiterhin meinem Bauchgefühl zu vertrauen und zu folgen.

 

 

 

Meine Intuition und mein Vertrauen in mein Baby halfen mir, den richtigen Weg für uns als Familie zu finden und ihn mit immer größer wachsender Sicherheit zu gehen. Die Entwicklung meiner Tochter und die immer noch vorhandene tiefe Bindung sowie unsere vertrauensvolle Beziehung zeigen mir, dass wir alles richtig gemacht haben.

 

 

 

Auf das Bauchgefühl hören und seiner Intuition vertrauen!

 

 

 

Für mich war es immer wichtig mein Handeln danach zu hinterfragen, ob es aus meiner Beziehung zu meinem Kind heraus entsteht. Nur dann fühlt es sich richtig an. Mein Bauchgefühl war da ein wichtiger Parameter. Sobald ich es den anderen recht machen wollte oder nach alten Glaubenssätzen á la "das macht man so" handelte, war ich nicht in Beziehung sondern handelte von oben herab, als die Größere und Mächtigere. Mein Bauchgefühl antwortete mir in solchen Momenten immer mit einem flauen Gefühl im Magen.

 

 

 

Als ich zum zweiten Mal Mutter wurde, war es schon viel leichter. Unsere Familie hat sich an unseren beziehungs- und bedürfnisorientierten Umgang gewöhnt, wir haben uns ein dickeres Fell angelegt und von unserer Unsicherheit im ersten Babyjahr ist nichts mehr übrig.

 

 

 

Wir haben es geschafft unserem Weg treu zu bleiben und fühlen uns heute als die eigenen Experten für unsere Familienangelegenheiten!