Der Verlust nach dem Verlust - Wenn Dich Dein Folgewunder wieder zur Sternenmama macht

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich endlich ein Jahr nach dem Verlust meiner Sternentochter einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. Ich war überglücklich und unendlich dankbar. Endlich machte sich mein sehnlichst gewünschtes Folgewunder auf den Weg! Ich vereinbarte sofort einen Termin bei meinem Frauenarzt. Schmetterlinge tanzten vor Freude in meinem Bauch.

Und doch...
 
Nur eine Millisekunde später überkam mich eine schreckliche Angst.
 



„Was wenn es wieder passiert?“
 



Ich wusste genau es würde mir mein Herz brechen, müsste ich eine weitere Fehlgeburt verkraften. Ich wollte das alles nicht schon wieder erleben. Zu groß und unverarbeitet war noch der Schmerz meines vorhergehenden Verlustes. Mein Weltbild fing gerade an sich neu zu ordnen und ich konnte einen Hauch von neuem Lebenssinn erahnen. Doch ich war immer noch sehr schwach. Das alles ließ die Angst in mir schrecklich groß heranwachsen. Kein Wunder, denn ich konnte aus meinem Trauerprozess noch nicht genug Vertrauen und Stärke für eine Folgeschwangerschaft schöpfen. Die Trauer um mein Sternenkind lag wie ein Schatten auf meiner Freude über das neue kleine Leben in mir.

Es musste einfach gut gehen!
 
Und falls nicht, musste ich mich vor dem zu erwartenden neuen Schmerz irgendwie schützen. Also schmiedete ich Pläne:
 

  • Ich hielt alle Gefühle der Vorfreude zurück und versuchte sie zu verdrängen
  • Ich habe niemandem von der erneuten Schwangerschaft erzählt, außer meinem Partner
  • Ich versuchte jegliche Beziehung und Bindung zu dem neuen kleinen Leben in mir zu vermeiden

 
Es war so schwer diese Gefühle zu verdrängen. Ich geriet in eine emotionale Achterbahnfahrt, in der sich hochkommende Vorfreude, Verdrängung und Angst immer wieder abwechselten. Dadurch war ich sehr angespannt und konnte meine Schwangerschaft kaum genießen.
Das Verheimlichen der Schwangerschaft vor anderen gelang mir mehr oder weniger ganz gut. Es stimmte mich zwischendurch aber immer wieder traurig, dass ich es mir nicht erlaubte diesen Teil meines Lebens mit anderen zu teilen.
Mein Instinkt und meine Intuition machten mir einen Strich durch mein drittes Vorhaben. Ganz natürlich und unbewusst ist es mir in ruhigen Momenten immer wieder passiert, dass ich mich in meinen Engel unterm Herzen eingefühlt habe. Es ging gar nicht anders. Wann immer ich mich dabei erwischte hörte ich sofort auf damit. Die Angst war einfach zu groß.

 



Dann wurde der Alptraum wahr
 



Zunächst schien alles in Ordnung zu sein. Bei meinen ersten Besuchen beim Frauenarzt sah man das Herzchen schlagen und alles ließ auf eine intakte Schwangerschaft schließen. Doch beim nächsten Mal sah man auf einmal ein Hämatom. Mein Frauenarzt meinte, ich müsse mir keine Sorgen machen, das käme öfter vor, es würde schon alles gut gehen. Und tatsächlich war eine Woche später kein Hämatom mehr zu sehen. Aber bei diesem Ultraschall sah man auch kein Herzschlag mehr. Es hatte einfach aufgehört zu schlagen. Alles brach auf mich herein. Mein Alptraum und das wovor ich mich versucht habe zu schützen wurden wahr. Ich verließ die Praxis mit einem Überweisungsschein zur Ausschabung. Ich stand völlig neben mir und unter Schock. Auf dem Weg zurück nach Hause nahm ich völlig parallelisiert mein Handy zur Hand um meinen Partner anzurufen. Jetzt flossen die ersten Tränen.

 

 


Warum? 

 



Nicht schon wieder! Das kann doch nicht wahr sein. Warum? Warum schon wieder ich? Es machte mich wahnsinnig mir diese Fragen schon wieder stellen zu müssen. Sie machten alles so unerträglich schwer. Ich dachte ich hätte diesen ganzen Mist hinter mir. Und jetzt ging alles wieder von vorne los. All der alte Schmerz kam wieder hoch. Ich war ja noch inmitten der Trauer um meinen ersten Verlust. Nun hatte ich zwei Verlusten zu verarbeiten! Ich musste wieder ins Krankenhaus. Schon wieder war der Bauch leer. Schon wieder bin ich Sternenmama geworden. Schon wieder war alles nur zum Brechen unfair, ungerecht und sinnlos! Und es tat verdammt nochmal scheiß weh!


 
Die Fakten
 


 
Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Fehlgeburt direkt eine Weitere zu erleiden, liegt bei 2-5%. Also jede 20. - 50. Sternenmama wird wieder Mutter eines Sternenkindes. Dazu gehörte dann wohl ich.
 
Na toll!
 
Gleich drei Verluste in Folge zu erleiden passiert 0.4 – 1 % aller zweifachen Sternenmamas.
 
Das sind ziemlich weite Prognosespannen. Es ist wohl so, dass unsere Vorgeschichte ein sehr wichtiger Prognosefaktor künftiger Schwangerschaften darstellt, und somit die großen Spannen erklärt. So besteht bspw. nach einer vorausgegangenen Lebendgeburt eine geringere Wahrscheinlichkeit mehrere Verluste zu erleiden, als ohne Erdenkind an der Hand. Das Risiko für weitere Verluste steigt proportional zu der Zahl der Vorausgegangenen Verluste. D.h. je mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten Du erleidest, umso wahrscheinlicher ist es immer wieder Sternenmama zu werden...leider.
 
 


Kann man sich vor erneutem Schmerz schützen?
 
 


Immer dann, wenn man sich noch inmitten des Trauerprozesses um seinen vorhergehenden Verlust befindet und wieder schwanger wird, lebt man in der Illusion, man könnte sich in der Folgeschwangerschaft vor erneutem Schmerz schützen. Der Gedanke, dass es wieder passieren könnte, ist allgegenwärtig. Diese Illusion lebt man deshalb, weil der noch vorhandene und unverarbeitete Schmerz so viel Platz einnimmt, dass einfach nicht mehr reinpasst. Wir würden sonst an ihm zerbrechen. Also gehen die psychischen Schutzmechanismen an: Angst macht sich breit!
 
Die Angst davor, dass dieses Unglück nochmal passiert, und auch das Misstrauen in den eigenen Körper sowie der inneren Stimme sind so immens, dass man sich vor den eigenen Gefühlen abschottet. Dazu muss man sich gar nicht bewusst entscheiden: ES PASSIERT EINFACH! "Lieber nicht zu früh freuen. Sicher ist sicher." Man mag sich nicht erlauben sich uneingeschränkt auf sein neues Baby zu freuen. Die noch vorhandene Trauer um sein Sternenkind tut sein Rest.  Einfach alles erinnert einen an die Unglücks-Schwangerschaft. Manchmal überkommen einen sogar ein schlechtes Gewissen gegenüber seinem verlorenen Kind und das Gefühl, ihm untreu zu sein.

Im Großen und Ganzen ist es eine schlechte Idee mitten im Trauerprozess um seinen vorhergehenden Verlust wieder schwanger zu werden. Doch werden es die meisten von uns, da wir zum einen eine riesen Sehnsucht verspüren, und zum anderen nicht warten können bis der ganze lange Trauerprozess abgeschlossen ist. Ich konnte es auch nicht. Dementsprechend erlebte auch ich diese Gefühlsverwirrungen zwischen Freude, Trauer und Angst hautnah. Und auch ich dachte, man könne sich vor erneutem Schmerz schützen.



Leider nicht!!!
 



Doch man kann es nicht! Du kannst Dich nicht vor erneutem Schmerz schützen, indem Du Dich Deinem Baby im Bauch gegenüber emotional zurück hältst. Du kannst Dich nicht nur NICHT vor erneutem Schmerz bei einem Verlust nach dem Verlust schützen, sondern Dich trifft es sogar umso härter, wenn Du die kurze Zeit mit Deinem Baby nicht genutzt hast, um es kennenzulernen. Denn dann kommt zu dem Schmerz über den Verlust noch eine zusätzliche Trauer um die verlorene Zeit hinzu.
 
Bei mir war es tatsächlich so, dass ich es zutiefst bereute, mich so sehr in meiner Bindung und Beziehung zu meinem Zweitgeborenen zurückgehalten zu haben. Jetzt war er weg. Und ich habe diese wenigen Wochen nicht genutzt um mehr über ihn zu erfahren. Das Stimmte mich zutiefst traurig und ließ den Schmerz um den Verlust um das schlechte Gewissen ansteigen.
 
All meine Pläne, mich vor erneutem Schmerz zu schützen gingen nicht auf. Es war eine Illusion zu glauben, ich könnte meine Gefühle austricksen. Es wird einfach immer wehtun. Egal was Du auch alles anstellst, um diesen Schmerz zu vermeiden. Wie sollte es auch nicht wehtun können? Es geht doch immer wieder aufs Neue ein Teil von Dir verloren...
 
 


Was Du auf Deinem Weg zum Folgewunder tun kannst

 

 

Trauer um Dein(e) Sternenkind(er)

Du kannst nicht verhindern, dass Dich ein weiterer Verlust nach Deinem Vorherigen wieder schmerzt und in ein erneutes Loch stürzt. Doch Du kannst diese Angst, dass es wieder passieren könnte mindern, indem Du Deine/n vorherigen Verlust/e so intensiv und vollständig wie möglich betrauerst und verarbeitest. Daraus wird Dir neue Stärke und neues Vertrauen erwachsen. Du wirst diese Angst niemals gänzlich loswerden, dafür ist Dir einfach ein zu großer Schmerz wiederfahren und Dir wurde noch keine Möglichkeit der Versöhnung mit dem Schicksal gegeben. Doch es wird Dir möglich sein, Dich voll und ganz auf das neue Leben in Dir einzulassen und stark genug für einen möglichen weiteren Verlust zu sein.

Du solltest über den Trauerprozess wissen, dass er sich ungefähr über zwei Jahre erstreckt. Das ist ein Durchschnittswert, d.h. es kann auch kürzer oder länger dauern. Die Intensität und die Länge Deiner Trauer wird vor allem durch die Tiefe der Bindung und Beziehung zu Deinem Baby im Bauch bestimmt, sowie durch evtl. vorangegangene unverarbeitete Trauer, Deiner Persönlichkeit und Deiner individuellen Ressourcen. Es spielen da sehr viele Faktoren zusammen. Du durchläufst mehrere Phasen der Trauer. Die erste Phase beginnt direkt nach Deinem Verlust. Du verharrst in einem Schock und dem Gefühl betäubt zu sein. In dieser Zeit funktionierst Du nur. Dieser Zustand kann Stunden, Tage oder Wochen andauern. Danach beginnt die Zeit des Schmerzes, der Traurigkeit, der Wut, der Schuldgefühle, der Versagensgefühle, der Einsamkeit, und vieler weiterer chaotischer Gefühle. Du sehnst Dich nach dem was hätte sein können und suchst nach dem Warum. Diese Phase dauert ca. ein halbes Jahr. Klingen diese Gefühle allmählich ab, holt Dich die Realität endgültig ein. Bis zum ersten Todestag Deines Sternenkindes erstreckt sich eine Phase der Desorientierung, in der Du alles bisher Dagewesene in Frage stellst. Du suchst nach einem neuen Lebenssinn, den Du dann schließlich in der Letzen Trauerphase finden wirst.
 
So die Theorie.
 
Bist Du mehrfache Sternenmama, so trauerst Du gleich um mehrere geliebte Menschen die Du verloren hast. Jedes dieser Sternenkinder braucht seinen eigenen Abschied. Jedes löst neue Gefühle des Schmerzes, der Wut & Co. aus und jedes stellt Deine Welt, so wie sie bisher war, auf den Kopf. Jedes war ein einzigartiges Wesen, mit eigener Identität und nun festem Platz in Deiner Familie. Für keines dieser Sternenkinder wird es jemals einen Ersatz geben. All diese Verluste solltest Du soweit wie möglich verarbeitet und in Dein Leben integriert haben, damit Du wieder zu neuer Stärke und neuem Lebenssinn  findest. Wenn Du zu neuer Lebenskraft gefunden hast und Dich seelisch dazu bereit fühlst, kannst Du langsam an ein weiteres Folgewunder denken.
 
 
Kümmre Dich um Deinen Körper
Auch das kann keinen weiteren Verlust und den damit zusammenhängenden Schmerz verhindern. Doch es lässt Dich sicherer fühlen, da Du für Deinen Körper sorgst und mögliche Ursachen ausgeschlossen und behoben hast. Du hast insgesamt alles dafür getan, um gesund in die Folgeschwangerschaft zu starten. Schau, dass Du wieder zu Kräften kommst und evtl. Wunden heilen. Betreibe Ursachenforschung.

Leider ist es oft so, dass die wenigsten Ärzte nach der zweiten Fehlgeburt bereits nach Ursachen suchen wollen. Dies ist erst ab einem "habituellen Abort", d.h. ab der dritten aufeinanderfolgenden Fehlgeburt, vorgesehen. Ausnahmen bilden Sternenmamas, die stark psychisch belastest sind oder bereits ein risikoreiches Alter überschritten haben. Was mich zusätzlich ziemlich schockiert hat ist, dass trotz erheblichen diagnostischen Aufwands die Ursache für mehrfache Verluste bei 50% aller Frauen nicht festgestellt werden kann. Bei ihnen spricht man dann von idiopathischen habituellen Fehlgeburten.
 
Nachfolgende Daten habe ich der Homepage des Universitätsklinikums Bonn entnommen:

  • Mögliche körperliche Ursachen wären: Elterliche Chromsomenveränderungen; Gebärmutterfehlbildungen; Autoimmunerkrankungen (Antiphospholipidsyndrom); angeborene erhöhte Thromboseneigung durch Protein S Mangel, Faktor V Leiden (APC Resistenz) und Prothrombinmutation; Blutgerinnungsstörungen durch Protein C- und Antithrombinmangel, Hyperhomozysteinämie; Insulinresistenz, Verminderte Bildung von Gelbkörperhormon, Schilddrüsenantikörper; immunologische Faktoren
  • Mögliche diagnostische Verfahren um diese Ursachen festzustellen wären: Anamnese und klinische Untersuchung, Chromosomenanalyse beider Partner; Ausschluß von Gebärmutterfehlbildungen (3-D Ultraschall; ggf  weiterführende Diagnostik); Antiphospholipidantikörper (Lupusantikoagulans und Anticardiolipinantikörper); Thrombophiliediagnostik (Faktor V Leidenmutation, Prothrombinmutation, Protein S-Mangel); Schilddrüsenfunktionswerte und -antkikörper; Hormondiagnostik( frühfollikuläres FSH und Östradiol, Prolaktin); Ausschluß Insulinresistenz (Nüchternglukose/ Insulin  oder HbA1C); mögliche Zusatzdiagnostik
  • Mögliche Therapieverfahren wären: Engmaschige klinische/ psychosomatische Betreuung (Tender Loving Care); Allgemeine Gesundheitsberatung (BMI, Nikotin, Alkohol, Ernährung etc.); Korrektur Uterusanomalien; Kombinierte Heparin/ Aspirintherapie bei Antiphospholipidsyndrom; Individuelle Therapie hereditärer Gerinnungsstörungen; weitere Therapiemöglichkeiten, welche weitere Studien bedürfen und deren Nutze nicht nachgewiesen ist

Ich wurde nach meiner zweiten Fehlgeburt bezüglich meiner Blutgerinnung getestet, da beide Verluste mit einem Hämatom zusammenhingen. Allerdings wurden hier keine Auffälligkeiten gefunden. Ansonsten habe ich für mich gesorgt, indem ich meinen Eisenspeicher, Vitamin D-Bedarf & Co. aufgefüllt, und mich gesund ernährt habe. Mehr Untersuchungen wurden auch bei mir nicht angestellt. Das war für mich aber völlig in Ordnung. Ich hatte nicht das Bedürfnis noch mehr medizinisch durgecheckt zu werden. Von meinem Gefühl her lag die Ursache meiner Verluste nicht auf körperlicher sondern auf seelischer Ebene.


Kümmre Dich um Deine Seele
Manchmal beherbergen unsere Verluste auch eine andere Nachricht für uns. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass in unserem Leben etwas gewaltig schief läuft, wir falsche Prioritäten setzen, wir in unser gewünschtes Erdenkind falsche Erwartungen und Hoffnungen setzen und wir uns insgesamt selbst zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit schenken. Wir werden aufgefordert hinzusehen, und zwar auf uns selbst und das Leben das wir führen. Meistens haben wir jahre- oder jahrzehntelang unbewusst dafür gesorgt, genau hier nicht hinsehen zu müssen. Auch haben wir alles damit zusammenhängende verdrängt. Für uns selbst würden wir es auch weiterhin nicht anschauen. Doch für unseren Kinderwunsch vielleicht schon.
 
Ich kann Dir natürlich keine Garantie geben, dass es bei Dir so ist. Und auch beschützt es Dich wieder nicht vor einem weiteren Verlust und von dem damit zusammenhängenden Schmerz, wenn Du hinsiehst und die sich auftuenden Baustellen bearbeitest. Doch es gibt Hoffnung, da Du das Gefühl hast etwas an den äußeren Umständen zu ändern. Gerade dann, wenn bei Dir körperlich alles OK zu sein scheint. Du bereitest ein neues Nest vor, in dem sich Dein Folgewunder evtl. eher eingeladen fühlt zu bleiben. Bei mir war es Teil des Rätsels Lösung.

  • Du könntest hier hinsehen: auf Deine Beziehung zu anderen Menschen (insbesondere Partner und Eltern), auf Deinen Job, auf Deine Glaubenssätze, auf Deine Prioritäten, auf Deine Selbstliebe, auf Deinen Selbstwert, auf Deinen Lebensstandard, auf Deine Wohnverhältnisse, auf Deine Erwartungen und Wünsche an Dein gewünschtes Kind, auf Deine Gefühlswelt, auf Deine Wünsche und Träume
  • Du könntest Dich Fragen: Hängt all´ mein Lebenssinn daran, ein Kind an der Hand zu haben? Welche Erwartungen und Hoffnungen hege ich an dieses Lebewesen? Bin ich glücklich? Will ich die Verantwortung für mein Lebensglück auf diesen kleinen Menschen abladen? Soll er der Mensch sein, der mich als erster so liebt wie ich bin? Was ist los in meinem Leben? Mag ich mich so wie ich bin? Habe ich Menschen um mich herum die mich so annehmen wie ich bin? Zeig ich ihnen mein wahres selbst? Ist die Beziehung zu ihnen von einem geben und nehmen geprägt? Bereitet mir die Tätigkeit mit der ich Geld verdiene Freude? Welches Grundgefühl zieht sich durch mein Leben? Was tu ich für mich? Wie viel Zeit nehme ich mir für mich? Welche Wünsche und Träume erlaube ich mir nicht zu verwirklichen? Habe ich es verdient glücklich zu sein? Muss ich alles alleine schaffen? Kann ich Hilfe annehmen?

Ich habe hingesehen. Nach meinem ersten Verlust sah ich, dass ich falschen Idealen hinterher jagte, vorwiegend Menschen um mich hatte die mich energetisch aussaugten, nach falschen Glaubenssätzen lebte und mir insgesamt zu viel aufhalste und zu wenig Zeit für mich hatte. Ich arbeitete daran und änderte sehr viel. So viel, dass mein Umfeld damit oftmals überfordert war. Nach meinem zweiten Verlust sah ich wieder hin. Ich sah, dass mir andere Menschen wichtiger waren als ich selbst. Ich sah, dass ich nicht Nein sagen konnte, mich für andere aufopferte und meine Selbstliebe samt Selbstwert gen Null ging. Ich lernte mein inneres Kind kennen. Ich arbeitete an mir und mit meinem inneren Kind. Ich wurde wieder schwanger. Dieses Mal blieb mein Kind.
 
 
Gönne Dir eine besondere Betreuung in der Folgeschwangerschaft
Da wir oft mitten im Trauerprozess um unseren vorhergehenden Verlust wieder schwanger werden, sollten wir anerkennen, dass wir eine besondere Stütze und viel mehr Halt brauchen, als schwangere Frauen denen diese schlimme Erfahrung erspart blieb. Wir sollten Menschen um uns haben, mit denen wir jederzeit offen über unsere Gefühle, Ängste und Trauer reden können. Menschen, die uns verstehen und uns mit diesen Gefühlen annehmen können. Das kann die Hebamme sein, eine Selbsthilfegruppe, Gruppen und Foren im Internet, der Therapeut oder auch einfach eine richtig gute Freundin. Optimal ist es natürlich, wenn der eigene Partner zu diesen Menschen gehört.

Zudem solltest Du nach Wegen Ausschau halten, die Dir helfen Deine Ängste zu überwinden. Hier habe ich ein paar Möglichkeiten zusammengetragen. Lass Deiner Kreativität freien Lauf. Und ganz wichtig: Sorge für Dich! Wenn es Dir gut geht, geht es auch Deinem Baby gut!
 

Gib nicht auf und versuch irgendwie loszulassen
Ich weiß. Es ist schwer von etwas loszulassen, das man sich so sehnlichst wünscht. Ich meine ja auch nicht dass Du aufgeben sollst. Ich meine nur, dass Du Dich nicht versteifen sollst. Überstürze nichts. Bring Entspannung in Deinen Kinderwunsch. Lass Dir Zeit.

Nach meinem zweiten Verlust war mein Vertrauen in mein Körper und mein Frausein so hinüber, dass ich bspw. anfing mich mit einem Plan B zu beschäftigen. Ich fing an mich über Adoption zu informieren, wenngleich wir weiterhin an einem Folgewunder bastelten. Aber es ließ mich lockerer werden. Ich konnte von dem Gedanken "es muss jetzt klappen" loslassen und war nicht mehr maßlos enttäuscht, wenn es wieder nicht klappte und meine Periode einsetzte. Just in dem Moment, als es mir so Ernst war, dass ich einen Beratungstermin vereinbaren wollte, wurde ich wieder Schwanger.

Wenn Du gerade wieder Sternenmama geworden bist: Gib Dich der Trauer um Dein verstorbenes Kind und evtl. vorhergehenden Verlusten hin (Sofort-Hilfe). Kümmre Dich um Deinen Körper und Deine Seele. Tu Dir was Gutes. Lass Dir Zeit bis Dein Sternenkind einen festen Platz in Deinem Leben hat. Wenn Du Dich genug in der Kraft fühlst DANN überlege wie es weitergehen soll.
 
Wenn Du mit Deinem Folgewunder schwanger bist: Lass nicht zu, dass die Trauer um Dein Sternenkind die Freude auf das neue Leben in Dir überschattet. Gestehe diesem kleinen Leben in Dir zu selbst zu entscheiden ob es bleiben will oder nicht. Halte es nicht fest und tu dennoch alles dafür, dass es sich bei Dir wohl fühlt und bleiben möchte.  Sorge für Dich und mach all das was Dir gut tut. Gönn Dir den einen oder anderen Ultraschall mehr, ohne in einen Kontrollwahn zu geraten. Denke positiv, genieße jeden Tag und rechne immer nur mit dem Besten.
 
 
 


Hilfe
 


 
Bei all diesen Punkten gilt, wenn Du das Gefühl hast Du schaffst es nicht alleine, dann hole Dir Hilfe! Geh zu einen Psychotherapeuten, Berater, Coach, Trauerbegleiter, Hebamme oder was auch immer Dich anspringt. Hilfe annehmen ist keine Schande. Du musst es nicht alleine schaffen. Du bist es Wert, Dir helfen zu lassen!

 

Alles Liebe

 

 

Eure Renate

 

 

 

Quellennachweis:

  • Universitätsklinikum Bonn: http://www.kinderwunsch-uni-bonn.de/Haeufigkeit-von-Fehlgeburten.16984.0.html
  • Lothrop, Hannah: Gute Hoffnung - jähes Ende: Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Begleitung und neue Hoffnung für Eltern; Kösel-Verlag, 15. aktualisierte Auflage 2010, München

Bildquelle: „Sad and upset woman deep in thought #50031686 © Johan Larson - Fotolia.com