Angst ist ein schlechter Berater - oder "Warum es sich lohnt zu Vertrauen"

Juhu, der Schwangerschaftstest zeigt es eindeutig: Positiv!!! Endlich hat es geklappt! Du freust Dich tierisch und bist einfach nur überglücklich!

 

Doch dann ist sie da auf einmal, diese leise Stimme die einem flüstert: "Was, wenn es (wieder) nicht bleibt?",  "Was, wenn es sich (wieder) nicht gesund entwickelt?", "Was wenn die Geburt (wieder) in einem Desaster endet?". Du siehst Dich zum Telefon rennen um einen Termin beim Frauenarzt auszumachen: "Was, wenn ich (wieder) zu früh getestet habe und man im Ultraschall nichts sieht?".

 

Oh Mann, ich kenne diese Ängste nur zu gut. Ich habe mein erstes Kind in der 22. SSW per Kaiserschnitt und mein zweites Kind in der Frühschwangerschaft verloren! Als ich zum dritten Mal schwanger wurde, WOLLTE ICH ALLES TUN, damit es dieses Mal anders wird!

 

 

 

Kann man den Verlauf und den Ausgang einer

Schwangerschaft kontrollieren?

 

 

 

Das mit diesem "Alles Tun" ist so eine Sache.  Glaubst Du wirklich, Du könntest den Verlauf und den Ausgang Deiner Schwangerschaft lenken oder gar beeinflussen?

 

Ich dachte tatsächlich, ich könnte es! Ich war ständig auf der Hut. Bei dem kleinsten komischen Gefühl stand ich bei meinem Frauenarzt auf der Matte. Bei mir wurde mindestens alle drei Wochen per Ultraschall in den Bauch geschaut. Ich war quasi per Du mit allen Arzthelferinnen. Durch diesen Daueraufenthalt bei meinem Frauenarzt dachte ich, ich täte alles, damit das Kind dieses Mal bleibt. Mein Frauenarzt schien diesen Zustand sehr zu begrüßen, da er ständig eine neue Idee hatte, wie wir meine Schwangerschaft noch sicherer gestalten können...mit immer mehr Untersuchungen und immer mehr daraus folgenden Diagnosen! Diese ganze Sache stresste mich immer mehr und hielt mich in einem Zustand der Dauerangst. Nur wenn man mittendrin ist, kommt man da oft nicht mehr heraus. Man merkt es oft erst gar nicht, dass die Angst einen im Griff hat!

 

Mir selbst war es damals nicht wirklich bewusst, da ich tatsächlich vieles dafür tat, um mich in einem Zustand des Vertrauens und Loslassens zu fühlen: ich meditierte beinahe täglich, machte Yoga für Schwangere, machte Schwangerschaftsgymnastik und besuchte auch einmal eine Psychotherapeutin.  Ich pflegte eine sehr tiefe Beziehung zu meinem Baby im Bauch, was mir viele Momente der Sicherheit und des Vertrauens gab. Dennoch konnte ich nicht von dem Untersuchungsmarathon ablassen. Ich habe ihn in dieser Schwangerschaft gebraucht. In dem Moment war es der für mich richtige Weg, und niemand hätte mich davon abbringen können oder mich davon überzeugen können, dass ich gerade aus Angst handle. Doch nicht nur wegen so ein bisschen medizinischer Bestätigung!?

 

 

 

Wenn die Angst dem Vertrauen den Weg versperrt

 

 

 

Wie gerne hätte ich meinem Bauchgefühl vertraut, dass mir immer wieder sagte, ich solle einfach nur jeden Tag genießen, denn meinem Baby geht es gut. Diese Schwangerschaft hat nichts mit den vorhergehenden zu tun.

 

Wie gerne hätte ich meinem Baby im Bauch mehr vertraut, das mir ebenfalls jedes Mal deutlich zu verstehen gab, dass es ihm gut geht und das es den Ultraschall ganz und gar nicht mag.

 

Wie gerne hätte ich meinem Körper vertraut, der mir das Gefühl gab, dass der Wehenbelastungstest und die Einleitung zum Geburtstermin völliger Quatsch sind und ich ruhig im meiner Wunschklinik gebären kann.

 

Wie gerne hätte ich dem Lauf des Lebens vertraut, und damit der Tatsache, dass alles zwanghafte Festhalten an meinem Kind und an der Kontrolle über meiner Schwangerschaft nur den Effekt haben, immer mehr Angst zu erzeugen. Denn über solch eine Macht zu verfügen ist eine Illusion.

 

 

 

Vertrauen? Einfach so? Und zulassen dass mein Wunsch

(wieder) nicht in Erfüllung geht?

 

 

 

Ich konnte es nicht. Loslassen war für mich undenkbar! Dann doch lieber jeden freien Moment irgendetwas "tun" und jeden Mist mitmachen, welchen ich in irgendwelchen Foren und Fachbüchern gelesen habe oder welchen mir die Ärzteschafft empfohlen hat. Oh ja, die "Götter in Weiß" hatten mich gut im Griff und schafften es immer wieder mich zu verunsichern. Mein Verstand drückte mir die Dauerkassette "Was wenn dein Gefühl nicht stimmt und dann doch wieder etwas passiert, das wirst du dir nie verzeihen", ins Ohr. Also blieb ich im Kontrollwahn und in der Angst. Es war mir nicht möglich anzunehmen, dass der Verlauf und der Ausgang der Schwangerschaft NICHT in meiner Macht liegen. Ich machte also all diese Dinge, mit einem sehr flauen Gefühl in der Magengegend!

 

 

 

Deshalb ist Angst ein schlechter Berater!

 

 

 

Merkst Du was passiert, wenn Du Dich von der Angst leiten lässt? Du handelst wider Deinem Bauchgefühl, wider Deinem Körpergefühl und wider Deinem Gefühl der Verbundenheit zu Deinem Baby!  Du handelst also wider Deiner eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse. Du bist dem Wahn verfallen, Du könntest den Lauf der Natur kontrollieren und beeinflussen, wenn Du einfach nur genug tust. Du bist süchtig nach Kontrolle! Doch selbst wenn Du jeden Tag in Deinen Bauch schauen lässt, kann kurz darauf wieder etwas passieren...Du erliegst einer Illusion von Macht, die kein Mensch in dieser Welt hat!

 

Wenn Du Entscheidungen aus Angst fällst, dann geschieht dies fremdbestimmt! Du gibst die Verantwortung bewusst ab, um Deiner Illusion treu zu bleiben alles getan zu haben, dass die Schwangerschaft einen guten Verlauf und Ausgang nimmt. Selbst WENN etwas passiert, DANN hast Du keine Schuld...Du brauchst Dir nichts zu verzeihen, denn Du hast ja ALLES GETAN. Und außerdem laufen ja eh ALLE ständig zum Frauenarzt, lassen sich zu jeder Vorsorge per Ultraschall in den Bauch schauen, machen alle möglichen "Standard-Untersuchungen" mit und entbinden im Krankenhaus! "Das macht man halt so". Also kann das doch nicht so verkehrt sein, oder?

 

Eine Schwangerschaft scheint schon lange kein natürlicher Prozess mehr zu sein, der eigentlich keinerlei Überwachung benötigt. Nein, sie gehört medizinisch überwacht und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen ausgeführt, sonst handelt man fahrlässig...Punkt! *IRONIE OFF*

 

Lässt Du Dich in der Schwangerschaft von der Angst leiten, fällst Du genau auf diese Maxime herein. Du hinterfragst sie nicht. Strenggenommen hinterfragst Du nichts, sondern folgst blind dem Mainstream und dem Rat der Ärztewelt. Du schließt Dich ihnen an, denn den bekannten Weg zu verlassen und einen bisher unbekannten, neuen Weg zu gehen, erscheint Dir zu risikoreich.

 

Die Angst wird Dein ständiger Partner sein, vor der Du Dich fürchtest, vor der Du Dich verstecken möchtest und die Du loswerden willst...und genau wegen diesem Fokus nimmt sie den Platz in der ersten Reihe ein und ist immer präsent!

 

 

 

Was tun mit der Angst?

 

 

 

Ganz wichtig: Die Angst ist nicht unser Feind, der uns das Leben schwer machen will. Im Gegenteil! Sie versucht uns tatsächlich vor etwas zu beschützen. Sie ist unser Freund. Dieser Freund hat in seinen vielen Schubladen, die sich in unserem Verstand befinden, ganz viele Informationen dazu abgelegt, was alles Schlimmes in einer Schwangerschaft passieren kann. Er meint zu wissen, wie eine Betreuung während einer Schwangerschaft auszusehen hat. Und er meint zu wissen wie und wo eine Geburt zu erfolgen hat. Diese Informationen hat er von niemand anderem, als von uns selbst! Unsere Erfahrungen, unsere Erlebniswelt, unser angelesenes Wissen und unsere Art erteilte Ratschläge anzunehmen, spiegeln sein Wissensrepertoire wieder.

 

Wollen wir einen anderen Weg gehen und unserem Gefühl mehr Vertrauen schenken, braucht unser Verstand etwas, dass ihm die nötige Sicherheit gibt, um kein Alarmsignal in Form von Angst von sich zu geben. Ihm fehlen noch die nötigen Erfahrungen und das nötige Wissen, um da einfach so mitzumachen. Er braucht eine Bestätigung, dass das, was unser Bauchgefühl uns sagt, auch richtig ist. Ich nenne das gerne "Futter für´s Hirn": belegte Tatsachen, die unsere Intuition bestätigen. Und die gibt es! Sie sind nicht schwer zu finden!

 

Also gib Deinem Hirn Futter und mach die Angst zu Deinem Freund! Freunde sind manchmal nicht der gleichen Meinung. Dann bringen sie sich ihre gegenteiligen Standpunkte gerne näher, überzeugen sich, geben nach und gehen Kompromisse ein. Niemand hält zwanghaft an seiner Meinung fest, weil er weiß, dass sowas eine Freundschaft schwierig macht oder sie sogar zerstören kann. Wenn Deine Angst also trotz aller guten Argumente dennoch bspw. diesen einen oder anderen Ultraschall braucht, dann mach ihn. Und pass auf, dass die Angst nicht über Dich bestimmt und den Ton angibt! Mach ihr klar, dass Du dankbar für ihre warnenden Hinweise bist, und diesen gerne mal nachgehst, aber nicht immer! Gib der Angst einen nicht unwichtigen aber auch nicht den wichtigsten Platz in Deinem Leben! Zeig ihr den Platz. Vergewissere Dich dass sie sich dort wohl und wertgeschätzt fühlt. Und dann: RICHTE ALL DEINE AUFMERKSAMKEIT AUFS VERTRAUEN!

 

 

 

Darum lohnt es sich ins Vertrauen zu kommen

 

 

 

Wenn Du Dich vom Vertrauen leiten lässt, dann handelst Du voll und ganz selbstbestimmt. Du übernimmst bewusst die Verantwortung für Deine Schwangerschaft. Du gibst den Ton an, was, wie und ob an Dir, Deinem Körper und an Deinem Baby untersucht und nicht untersucht, durchgeführt und nicht durchgeführt, wird. Du schluckst nicht mehr blind jeden Vor- und Ratschlag Deiner Umwelt sondern hinterfragst sie nach Gültigkeit und nach Kompatibilität mit Deinen Wünschen und Bedürfnissen. Du hast den Mut Dich für Deine Traumschwangerschaft und Deine Traumgeburt einzusetzen. Die "Götter in Weiß" werden zu ganz normalen Menschen, deren Anweisungen Du nicht mehr gehörig folgst, denn auch sie sind fehlbar! Du bist in Verbindung mit Dir Selbst und mit Deinem Baby im Bauch. Du hörst auf Dein Bauchgefühl, auf Dein Körpergefühl und auf Dein Verbindungsgefühl mit Deinem Baby.  Du erkennst an, dass es NICHT in Deiner Macht steht, wie Deine Schwangerschaft verläuft und wie sie endet. Du kannst Dein Schicksal annehmen, auch wenn es Dich zunächst total aus der Bahn zu werfen scheint. Wenn es in Deinem Bauch ziept und drückt, verfällst Du nicht gleich in Panik, dass etwas nicht stimmt, sondern Du fühlst erst mal in Dich und Dein Baby rein, bevor Du handelst. Du kannst solche Momente als zugehörig zu einer Schwangerschaft annehmen. Insgesamt ist Deine Schwangerschaft für Dich ein natürlicher Prozess, der nicht zwingend medizinisch überwacht, lediglich begleitet werden kann oder sollte.

 

Der Weg des Vertrauens ist oft der unbequemere Weg, da er voraussetzt, dass Du Deinen Ängsten ins Auge blickst: "Ja, ich habe Angst das (wieder) etwas passiert!",  "Ja, es kann sein, dass ich die Seele (wieder) ziehen lassen muss und (wieder) zur Sternenmama werde!", "Ja, es kann sein das die Geburt (wieder) nicht so wird, wie ich sie mir wünsche!" Das ist erst mal ein schwerer Schritt, der Überwindung kostet. Doch wenn er getan ist, merkst Du wie so oft im Leben, dass es die beste Entscheidung Deines Lebens war. Denn indem Du Deine Angst ansiehst, sie anerkennst und ihr weiterhin einen Platz in Deinem Leben gibst, verliert sie an Kraft und wird zu einem sinnvollen Begleiter in Deinem Leben. Aber eben nicht mehr in der ersten Reihe. Den vordersten Platz nimmt dann nämlich das Vertrauen ein! Durch dieses Vertrauen bekommst Du wieder Zugang zu Deinem Bauchgefühl, kannst Dich voll und ganz auf Dein Baby im Bauch einlassen und weißt die Fähigkeiten Deines Körpers zu schätzen.

 

 

 

Also hab Vertrauen!

 

 

 

Ich weiß, dass es schwer ist, sich in seiner Schwangerschaft vom Vertrauen leiten zu lassen und dem Kontrollwahn Einhalt zu gebieten. Gerade dann, wenn man vorher schon einen oder mehrere Schicksalsschläge durchleben musste. Doch ich weiß auch, dass es sich lohnt, denn ich kenne beides: ich habe mich in der Schwangerschaft meiner Tochter von der Angst leiten lassen und in der Schwangerschaft meines Sohnes vom Vertrauen. Bei meinem Sohn wollte ich  einfach die schöne Zeit genießen und loslassen...ich hatte von der Angst und ihren Konsequenzen die Nase voll!  Mit meinem Schicksal hatte ich Frieden geschlossen und konnte es in Dankbarkeit annehmen.

 

Also habe ich es getan! Ich habe die volle Verantwortung für MEINE Schwangerschaft übernommen. Ich habe alle Angstherde Stück für Stück abgeschafft! Ich hatte die Kraft, mich dieses Mal für meine Traumschwangerschaft und meine Traumgeburt einzusetzen! Im Klartext hieß das, dass ich so selten wie möglich beim Frauenarzt war, diesen auch zwischen drinnen gewechselt habe da er sich mit meinem Weg des Vertrauens nicht anfreunden konnte, fast alle Vorsorgen von meiner Hebammenpraxis durchgeführt wurden, ich mich gegen Standarduntersuchungen entschieden habe und eine Hausgeburt geplant habe...die auch gelungen ist!

 

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich keine Angst gehabt hätte. Doch dieses Mal habe ich ihr ins Auge geblickt und mich mit ihr angefreundet. Und das war die beste Entscheidung die ich fällen konnte, da ich wusste, dass sie mich eh durch die ganze Schwangerschaft begleiten würde. Natürlich wollte ich nicht, dass mir wieder das gleiche wiederfährt wie in meinen ersten beiden Schwangerschaften.  Doch ich wusste auch, dass ich es nicht in der Macht habe...und dieses Mal machte es mir keine Angst! Ich hatte Vertrauen, dass genau das Richtige für mich und mein Leben passiert. Ich hatte Vertrauen in den Lauf des Lebens und konnte so jeden Tag genießen. Ich hörte auf mein Bauchgefühl, genoss eine intensive Verbindung zu meinem Sohn im Bauch und wusste, dass mein Körper die Sache mit der Schwangerschaft und der Geburt schon managet!

 

 

 

Mach Dich auf die Reise

 

 

 

Diese Kraft hatte ich nicht von heute auf morgen. Du wirst sie auch nicht haben. Und das ist OK so! Es ist ein Prozess, der sich über die Schwangerschaft hinaus erstreckt. Jeder kleine Schritt in Richtung Vertrauen ist ein Wertvoller. Und jeder Schritt in Richtung Angst betrachte ich nicht als Rückschritt, sondern als Freundschaftsdienst. Deswegen braucht sich niemand schlecht zu fühlen. Zwanghaft zu vertrauen und die Angst zu verleugnen wäre keine gute Idee. Manchmal reichen wissenschaftlich bestätigte Tatsachen nicht aus, um den Verstand zu beruhigen und dann braucht man eben den Gang zum Arzt oder zu seiner Hebamme. Sei gut zu Dir, hab Geduld und behalte Dein Ziel vor den Augen.

 

Mit meiner Geschichte und mit diesem Blog möchte ich Dich einladen, diesen heilsamen Weg zu mehr Vertrauen, Intuition und sicherer Bindung zu betreten und Dich auf ihn einzulassen.

 

 

 

Alles Liebe,

 

Eure Renate

Bildquelle: „First photo of baby“ #106232139 © Photographee.eu - Fotolia.com