Warum Du keine Angst vor der Angst haben solltest

Wenn man sein geliebtes Sternenkind verloren hat, ist Angst ein stetiger Begleiter: in der Zeit der Trauer und des Schmerzes, beim erneuten Kinderwunsch, in der Schwangerschaft, vor und während der Geburt, in der ersten Zeit nach der Geburt und manchmal auch darüber hinaus. Viele von uns stört das. Wir finden sie lästig und wollen sie loswerden. Wir fühlen uns mit ihr in einen Kampf verwickelt, den wir gewinnen möchten.

 

Gewinnen heißt: Angst loswerden.

 

Ich möchte euch was anderes sagen: steigt aus dem Ring aus! Hört auf, Angst vor der Angst zu haben!

 

 

 

Es ist OK Angst zu haben

 

 

 

Das was uns passiert ist, hat seine Wunden hinterlassen! Es gehört zu unserem Leben dazu. EWIG! Und natürlich haben wir verdammt nochmal scheiß Angst davor, dass es wieder passiert. Niemand gibt freiwillig sein Folgewunder wieder her! Daran lässt sich nichts schön reden, wie sehr wir auch Vertrauen!

 

Die Angst gehört zu uns. Sie ist fester Teil von uns.

 

Ich habe für euch die wichtigsten Punkte zusammengefasst, warum es vollkommen OK ist, mit der Angst Hand in Hand durch die Zeit nach eurem Verlust zu gehen.

 

 

 

Viele gute Gründe,

warum Du keine Angst vor der Angst haben solltest

 

 

 

  • Es ist einfach logisch, dass Du Angst hast, denn Du hast was wirklich schlimmes erlebt. Die Angst hat ihre Daseins-Berechtigung. Sie will nichts böses. Sie will Dich schützen. Sie will Dich davor schützen, dass es wieder passiert. Das Du wieder dieses Leid durchleben musst. Deshalb schlägt sie jedes mal Alarm, wenn sie irgendetwas an "damals" erinnert, oder Du völlig anders als sonst handelst.
  • Als Du Dein Kind verloren hast, war das eine Erfahrung, die all Deiner bisherigen Routine,  all Deinen Überzeugungen, all Deinen Glaubenssätzen und all Deinem Wissen wiedersprach! Für Deinen Verstand der absolute Horror, da er Routine liebt und braucht, um sich sicher zu fühlen. Niemals hättest Du mit sowas gerechnet. Nichts was vorher war hat noch Gültigkeit. Die Welt ist dadurch ein unsicherer Ort geworden.  Alles Vertrauen ging verloren. Dafür kam die Angst auf den Schirm: das Alarmsystem des Verstandes.
  • Seit dieser Zeit ist die Angst präsent und im Vordergrund. Am Anfang merken wir es oft nicht wirklich. Erst dann, wenn es wieder "ernst" wird, und wir uns erneut auf den Weg machen - wieder schwanger werden möchten und uns ein Folgewunder wünschen - dann spüren wir sie ganz deutlich. Und sie nervt! Wir finden, sie macht uns das Leben schwer. Macht sie ja auch irgendwie. Aber nur weil wir sie nicht richtig verstehen. Würden wir sie nämlich verstehen, würden wir sehen, dass sie uns in der Zeit nach dem Verlust geholfen hat, weiterzumachen und das ganze irgendwie zu überleben. SIE NAHM UNS AN DIE HAND! Sie war unser Anker. Unser Freund in einer schweren Zeit, wo nichts mehr seine Gültigkeit hatte.
  • Mit diesem Freund, der Angst, bauen wir uns eine neue Welt auf. Sie ist Begleiter Nr. 1. Sie hat ganz viel Platz in unserem Leben. Sagen wir dann: “Ich möchte wieder schwanger werden”, trifft das für unseren Verstand nicht gerade auf fruchtbaren Boden. Er weiß, was alles passieren kann. Er weiß, dass es Dir passieren kann. Also klingeln die Alarmglocken! Wir sind uns dieser Tatsachen und Risiken bewusst. Doch die Sehnsucht ist größer als die Angst!
  • Jeder versuch die Angst loszuwerden und sie zu bekämpfen, führt genau zum Gegenteil. Denn negative Aufmerksamkeit ist auch Aufmerksamkeit. Die Angst bekommt so sehr viel Macht. Zu viel Macht! Und vor allem zu viel Raum. Deswegen ist mein Vorschlag: Hör auf die Angst zu verteufeln. Seh ihr ins Auge. Seh sie. Erkenne sie an. Danke ihr für ihre Dienste. Danke ihr für ihre Freundschaft. Und dann löse die Freundschaft zu ihr. Bau den Kontakt ab. Manchmal ist es so das wir merken, dass Freundschaften uns nicht mehr gut tun. Wir sind nicht mehr auf einer Wellenlänge. Dann sehen wir uns seltener. Verabreden uns weniger. Und wir hinterfragen die Aussagen dieses Freundes kritischer und “fressen” nicht alles  was er uns sagt.
  • Versuche stattdessen die Freundschaft zum Vertrauen wieder aufzubauen. Komm ihm wieder näher. Integriere das Vertrauen wieder in Dein Leben. Weil Du weisst, dass Du dann ruhiger und entspannter durch die Kinderwunschzeit und Schwangerschaft gehen kannst. Weil Du weißt, dass die Angst keinen weiteren Verlust verhindern kann, auch wenn Du ständig irgendwas tust, um es zu verhindern. Und weil Du weißt, dass das Vertrauen das weiß und Dich dabei unterstützt, diesen Weg zu gehen.
  • Wir können den Verstand dabei unterstützen, sein Alarmsystem seltener zu schalten, indem wir ihm Input geben der beweist, dass unsere schlechte Erfahrung nicht bedeutet, dass es jetzt immer wieder passiert: uns mit unserem Frausein beschäftigen, unserem Körper, dem Wunder Gebärmutter, unserem inneren Kind, wieder lernen unserem Bauchgefühl zu vertrauen
  • Und wenn wir uns darauf einlassen, dass das Vertrauen wieder Begleiter Nr. 1 ist, und die Angst steht vor der Tür, und klingelt Sturm, weil es ihr wirklich wichtig ist und sie furchtbar in Sorge um Dich ist: Dann lass sie rein! Dann mach diesen einen Ultraschall mehr. Oder was auch immer Du brauchst, um Deinem Freund einen Freundschaftsdienst zu erweisen. Denn vergiss nie: die Angst hat ihre Berechtigung. Das was uns passiert ist, steckt fest in Mark und Bein. Es gehört zu unserem Leben dazu. Und wenn wir noch so viel Vertrauen haben, so gibt es dennoch unsere Triggerpunkte, wo wir der Angst nachgeben sollten.
  • Also hab keine Angst vor der Angst! Lass ihr ihren Platz bei Dir. Versuch den Platz möglichst klein und weit hinten zu halten. Doch schick sie nicht weg! Sie gehört zu Dir! Sie hat Dich gerettet, als Du null Halt hattest.

 

 

Alles Liebe

 

 

Eure Renate

Bildquelle: „Joy" #135622379 © BilionPhotos.com - Fotolia.com