Das Geschenk unserer Sternenkinder

Ich bin ein sehr spiritueller Mensch. Ich glaube daran, dass wir alle eine Seele haben, die sich genau dieses Leben für uns ausgesucht hat. Ich glaube, dass sich unsere Seele mit den Seelen der Menschen und Lebewesen die uns begegnen, hier auf Erden miteinander verabreden, um sich gegenseitig bei der Erfüllung ihrer Lebensaufgaben zu helfen. Ich stelle mir "da oben" im Himmel eine riesen Seelenparty vor, auf der sich alle Seelen versammeln und beim gemeinsamen Plausch genau diese Dinge miteinander bereden. Sie erzählen sich woran sie noch wachsen möchten, was sie dafür gerne erleben würden, weisen sich ihre Rollen zu und ab geht´s auf den Schauplatz Erde. Unsere Seelen verlassen daraufhin die Seelenparty, um nach der Erfüllung ihrer Lebensaufgabe wieder dorthin zurückzukehren. Irgendwann treffen wir uns alle dort wieder!

 

 

 

 

 Die Verabredung mit unserem Sternenkind

 

 

 

 

Ich bin mir sicher, es ist kein Zufall, dass unser Sternenkind in unser Leben getreten ist: Wir haben uns dazu verabredet! Auf der Seelenparty haben wir besprochen, dass wir als Frau, Mann und Baby im Bauch genau diese Erfahrung machen wollen. Deshalb sind wir heute da, wo wir sind, und erleben diesen schmerzvollen, lebensverändernden Verlust.

 

Jetzt fragst Du Dich bestimmt, warum zum Teufel will unsere Seele so ein beschissene Erfahrung machen...geht´s noch?!? Warum möchte sie Schmerz und Leid empfinden? Warum einen Menschen verlieren, den sie so sehr liebt? Der aus Liebe gezeugt wurde?

 

Selten so ´nen Mist gehört!?

 

 

 

Die Frage nach dem "Warum?"

 

 

 

 

Warum? Warum nur? Warum ist unser Kind von uns gegangen? Warum so früh? Warum ist das alles nur passiert? Und warum ist es ausgerechnet uns passiert? All die Frauen das draußen gebären einfach so gesunde Kinder...warum nicht auch wir? Warum haben wir es nicht verdient das gleiche Glück zu erfahren? Es ist komplett unfair! Die Welt ist furchtbar ungerecht! Das Leben total sinnlos!

 

Ja, auch ich war in diesem Loch. Ich war genauso verzweifelt, habe mir all diese Fragen gestellt und bin zu diesen vernichtenden Einsichten gekommen. Ich habe in meinen Verlusten null Sinn gesehen...wozu auch! Wer kommt schon auf die Idee, so einem Ereignis einen Sinn zu geben?! In diese Richtung gehende, gutgemeinte Trostversuche wie "Das Schicksal wollte es so" oder "Wer weiß für was es gut ist", trafen mich mitten ins Herz und schmerzten wie die Hölle! Solche Erkenntnisse drückt man keinem Betroffenen aufs Auge. Oh Nein! Darauf kommt man entweder selbst oder gar nicht! Und ich wollte von sowas lange nichts hören!

 

Ich fand die Welt einfach nur noch Scheiße! Und jede schwangere Frau oder frisch gewordene Mutter bekam von mir alles andere als liebevolle Gedanken mit auf den Weg. So ginge es mir sehr, sehr, sehr lange. Eine lange Zeit, in der mich Trauer, Leid, Angst, Verzweiflung und Schmerz begleiteten. Das Geschehene wirklich annehmen konnte ich erst dann so richtig, als ich mein Folgewunder im Arm hielt. Und erst, als ich mein zweites Folgewunder einige Jahre später voller Vertrauen in den heimischen vier Wänden auf die Welt brachte, kam in mir ein Gefühl der Versöhnung mit dem Schicksal auf. Und noch viel mehr: ich entdeckte ein Geschenk! Dieses Geschenk wartete schon eine Weile auf mich. Meine Sternenkinder ließen es direkt nach ihrem Gehen zurück. Doch ich konnte mein Herz sehr Lange nicht dafür öffnen. Und so bitter diese Erkenntnis für mich heute auch sein mag – denn ich vermisse meine verlorenen Kinder jeden Tag - doch all das Geschehene hat für mich seitdem eine nachvollziehbare Richtigkeit…ja, einen Sinn.

 

 

 

 

Das Geschenk meiner Sternenkinder

 

 

 

 

Als ich in meinem Artikel "Plötzlich Sternenmama" zum ersten Mal von dem Geschenk meiner Sternenkinder schrieb, war ich sehr aufgeregt. Ich rechnete damit, dass mich manch Eine für komplett verrückt halten würde. Auch weil ich der Meinung bin, das jedes unserer Sternenkinder ein solches Geschenk für uns hinterlässt. Umso glücklicher war ich, als genau das Gegenteil eintrat und ich durch die Bank weg positive Resonanz bekam. Deshalb möchte ich nun noch einen Schritt weitergehen und noch mehr über dieses Geschenk erzählen. Als ich es entdeckte, wurden mir all die Fragen nach dem "Warum" beantwortet. Doch es war ein langer, steiniger Weg, bis ich es tatsächlich sah und auch annehmen konnte!

 

Ich weiß nicht genau wie ich darauf reagiert hätte, wenn mir jemand nach dem Verlust eines meiner Sternenkinder gesagt hätte, dass sie mir mit ihrem Gehen ein Geschenk dalassen. Ein Geschenk, welches ich jetzt noch nicht sehe und erst nach der Zeit der Trauer, des Schmerzes, der Verzweiflung, des Abschieds und des Annehmens wahrnehmen würde. Ein Geschenk, bei dem das Gesehenwerden nicht ausreicht, sondern das man nur erkennen kann, wenn sich das Herz wieder öffnet. Ein Geschenk von Seele zu Seele, um mich meiner Lebensaufgabe näher zu bringen. Ein Geschenk, um mich auf etwas zu stoßen, vor dem ich bereits jahre- oder jahrzehntelang die Augen verschließe. Ein Augenöffner-Geschenk, welches mich mir selbst näher bringt und mich auf etwas schauen lässt, dass ich sonst NIE angesehen hätte.

 

Ich glaube, ich hätte gesagt „Pfeif auf das Geschenk, gib mir mein Kind wieder“. Nein, ich hätte es nicht begriffen, was es damit auf sich haben soll. Doch neben dieser Abwehr, wäre auch ein mini Stückchen Hoffnung hängen geblieben. Hoffnung, dass der Schmerz irgendwann aufhört…

 

 

Nach meinem ersten Verlust

Bei mir hat es lange gedauert, bis ich mein Herz wieder öffnen konnte. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet das ausgerechnet mir so etwas passiert. Alleine das Wahrhaben des Verlustes war für mich eine schwierige Aufgabe. Es ging alles so schnell...viel zu schnell war meine Sternentochter aufeinmal nicht mehr in meinem Bauch...viel zu früh hat sie mich in der 22. SSW verlassen...viel zu traumatisch war der Notkaiserschnitt und mein knappes Überleben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bis zu meiner Folgeschwangerschaft genau ein Jahr später nichts von einem Geschenk wahrgenommen. Ja, es hat sich viel verändert, mein Leben war nicht mehr das Alte. Doch ich habe es nicht mit meinem Sternenkind in Zusammenhang gebracht. Dafür konnte ich garnicht klar genug denken. Alles drehte sich nur darum wieder schwanger zu werden und endlich mein gewünschtes Kind im Arm zu halten.

 

 

Dann kam der zweite Verlust

Ich wurde wieder schwanger...und ich verlor mein zweites Kind. Dieses Mal schon in der 9. SSW. Meine Verzweiflung war immens! Ich konnte einfach nicht begreifen warum mir sowas zum zweiten Mal angetan wird. Aber ich hatte eine Ahnung, der ich auf den Grund gehen wollte. Neben meiner Trauer entstand dieses Mal ein neuer, anderer Impuls. Ich hatte sowas von keinem Bock mehr auf diese Opferrolle. Ich konnte diese "Warum"-Fragen nach der zweiten geplatzten Hoffnung nicht schon wieder ertragen. Dieses Mal wollte ich Antworten! Neben diversen medizinischen Checks wollte ich zusätzlich wissen, warum um alles in der Welt sich Seelen dazu entscheiden meine Kinder werden zu wollen, um es sich dann aber doch anders zu überlegen. Und ich war fest entschlossen die Antwort auf diese Frage zu finden! Und ich fand sie!

 

 

Meine Antwort

Ich fand die Antwort nicht alleine. Es war mir nicht möglich, denn ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Um Licht ins Dunkle zu bringen holte ich mir Hilfe. Und ich bin auf etwas gestoßen, von dem ich nicht dachte, dass es so wichtig und zentral ist. Und vor allen Dingen dachte ich nicht, dass es mir daran so sehr fehlt:  an Selbstliebe.

 

Ich erkannte, dass ich mir so sehr wünschte, Mutter zu werden, und vergass, mir selbst eine Mutter zu sein. Ich wollte für meine Kinder da sein, ihnen Liebe geben, für sie sorgen, sie begleiten, sie zu glücklichen Menschen machen. Und dabei war ich nicht mal in der Lage, für mich da zu sein, mir Liebe zu geben, für mich zu sorgen, mich zu begleiten, mich zu einem glücklichen Menschen zu machen. Mein inneres Kind lächzte danach, gesehen zu werden, bedingungslos geliebt zu werden und wertgeschätzt zu werden. Doch ich habe jahrelang alles dafür getan, mich so sehr zu verbiegen und anzupassen, um anderen zu gefallen. Ich habe mich selbst verloren. Meine Verbindindung zu meinem Inneren existierte nicht mehr. Ich war Weltmeisterin darin zu erkennen, wie ich andere glücklich mache. Doch den Zugang zu meinem Glück habe ich vergessen. Alle anderen kamn zuerst. Ich zuletzt.

 

 

Da war es!

Hier offenbarte sich mir das Geschenk meiner Sternenkinder! Das Geschenk war eine Einladung an mich, unbedingt mein inneres Kind kennenzulernen, es zu lieben, für es zu sorgen und damit endlich mich selbst zu lieben! Die Botschaft lautete ungefähr so: „Erst dann, wenn Du Dich auf den Weg machst Dich selbst zu Lieben, werden Deine Kinderseelen bei Dir bleiben und als Erdenkind auf die Welt kommen.“. Ja, es ist leider wahr, niemals wäre ich von alleine auf die Idee gekommen, mich meiner Selbstliebe zu widmen. Ich dachte ja ich liebe mich selbst. Doch das, was ich für Selbstliebe hielt, war mein bestreben alles zu tun, um von anderen geliebt zu werden. Ich war abhängig von der Liebe und Anerkennung anderer. Die meisten meiner Handlungen und Entscheidungen waren darauf abgestimmt, Liebe zu ernten. Die wenigsten entsprangen aus der Liebe zu mir selbst. Niemals hätte ich bemerkt, wieviele Türen ich mir dadurch zu meinem Lebensglück verschlossen halte. Viel zu gründlich habe ich das alles verdrängt und mit Abwehrmechanismen verseht, nur um mich diesem Schmerz nicht stellen zu müssen. Und ja, es tat weh! Das zu erkennen tat höllisch weh. Zusätzlich zu dem Schmerz durch den Verlust meiner beiden Erstgeborenen kam nun der Schmerz meiner eigenen Kindheit. Der Schmerz darüber, nie so geliebt worden zu sein, wie ich bin.

 

Ohne meine Sternenkinder hätte ich hier niemals hingesehen. Und ich habe auch nur deshalb hingesehen, da mir dafür ein "Lohn" in Aussicht stand. Ich hatte die Hoffnung, doch irgendwann mein gewünschtes Baby im Arm halten zu dürfen. Also sah ich hin. Schlimmer als der Schmerz und die Trauer die ich bereits empfand konnte dieser Weg nicht werden.

 

 

Mein Augenöffner-Geschenk

Ich sah, dass es mir an Kraft fehlte, um für mich selbst einzustehen, um zu mir zu stehen, um zu sehen was ich wirklich brauche und um mich von dem abzugrenzen was mir nicht gut tut. Mit fehlte es an Wert um von anderen etwas anzunehmen, um auch mal etwas einzufordern oder überhaupt der Glaube etwas verdient zu haben. Mir fehlte es an Selbstannahme, mit all meinen Eigenheiten die mich zu dem einzigartigen Menschen machen der ich bin. Viele dieser Eigenheiten habe ich irgendwann tief in mir vergraben, da sie nicht erwünscht waren. Diese verdrängten und versteckten Eigenschaften meines Selbst bildeten mein inneres Kind: ungeliebt, einsam, ängstlich, traurig, hilflos und unerwünscht! Es hatte null Vertrauen in mich und war tief verletzt wegen meiner Abkehr von ihm – und damit von mir selbst.

Ich traute mich nicht mich komplett zu zeigen, aus Angst vor Ablehnung. Ich traute mich nicht den Menschen die ich Liebe Wiederworte zu geben, aus Angst von ihnen keine Gegenliebe zu erhalten. Ich versuchte es allen Recht zu machen, nur nicht mir selbst. Da mir meine Selbstliebe im inneren fehlte suchte ich sie im außen: nur dann wenn andere mich liebten fühlte ich mich auch selbst geliebt. Dafür nahm ich in Kauf, mein ganzes Leben eine Rolle zu spielen und mich für andere aufzuopfern.

 

 

Die Reise zu mir Selbst

Zu diesen Erkenntnissen kam ich nicht von heute auf morgen. Es war eine Reise, welche durch viel Schmerz, verdrängte Gefühle und vergessene Ereignisse führte, wodurch sich eine Erkenntnis nach der anderen offenbarte. Und während dieser Reise wurde ich ein drittes Mal schwanger. Einerseits war ich überglücklich, so schnell wieder schwanger geworden zu sein, doch andererseits hatte ich auch große Angst dass das, was ich mittlerweile an Selbstliebe wiedergefunden habe, nicht ausreicht. Was wenn diese Seele auch wieder von mir geht?

 

Doch sie blieb!

 

Sie blieb tatsächlich! Es genügte, mich auf diesen Weg zu begeben und hinzusehen. Zum Glück! Denn diese Reise zu meinem inneren Kind und damit zu meiner Selbstliebe ist noch lange nicht beendet! Es müssen noch viele Jahre und Jahrzehnte, in denen ich mich auf einem Irrweg befand, aufgewühlt und nachgeholt werden. Vieles sitzt in Form von Glaubenssätzen, Werten und Normen in mir fest. Dinge, die sich mein Leben lang bewährt haben, werden nun als falsch entlarvt. Immer wieder stoße ich auf etwas Neues und immer wieder schmerzt es aufs Neue. Doch niemals würde ich diesen Weg wieder verlassen! Denn ich spüre, wie nicht nur mein Leben davon profitiert, sondern auch das Leben meiner Kinder.

 

 

Dankbarkeit

Ich kann heute tatsächlich sagen, dass ich mich von meinen beiden Sternenkindern beschenkt fühle. Wären sie nicht gewesen, wäre ich heute nicht da wo ich jetzt bin. Ich bin durch sie gewachsen. Mein Leben ist so viel reicher! Und mein Reichtum wird von Tag zu Tag größer! Ich mute mir selbst und auch der Welt Stück für Stück mein komplettes Selbst zu. Es ist nicht immer leicht, doch ich bin dennoch unendlich dankbar, das mir dieser Weg aufgezeigt wurde. Gerne hätte ich diese Erkenntnis anders erlangt, als durch den schmerzlichen Verlust meiner Sternenkinder. Doch leider ist manchmal ein solches traumatisches Ereignis nötig um aufzuwachen. Das hinter meinen Verlusten eine Botschaft für mein Leben liegt, konnte ich lange nicht erkennen. Erst in den Jahren nach der Geburt meines Folgewunders, in denen ich wieder lernte zu Vertrauen und mich ein weiteres mal auf eine Schwangerschaft einließ, begriff ich was mir das Leben mir damit sagen wollte.

 

 

 

Meine Lebensaufgabe: Der Seelenparty-Plausch

 

 

 

Meine Seele:

"Ich möchte gerne lernen wie es ist, seine Selbstliebe zu verlieren und dann wieder zu finden."

Die Seelen meiner Eltern:

"Wir können Dir das Gefühl geben, dass Du so wie Du bist falsch bist. So verlierst Du Deine Selbstliebe."

Meine Seele:

"Das ist gut. Und dann müsste was schlimmes passieren um mich aufzuwecken. Anders werde ich nie merken das mir Selbstliebe fehlt."

Die Seele meines ersten Sternenkindes:

"Wir könnten Deine gewünschten Kinder sein und Dich bereits in der Schwangerschaft wieder verlassen."

Die Seele meines zweiten Sternenkindes:

"Wir hinterlassen Dir ein Geschenk, welches Dir die Augen öffnet"

Meine Seele:

"Oh Gott, wie soll ich das nur überleben. Das schaffe ich nicht alleine."

Die Seele meines Partners:

"Ich werde Dir zur Seite stehen und Dir den Halt geben den Du brauchst."

 

 

 

Ja, ungefähr so könnte unser gemeinsamer Plausch auf der Seelenparty ausgesehen haben. Hier haben meine Sternenkinder und ich beschlossen, was passieren muss, damit ich auf dem Schauplatz Erde genau die Erfahrungen mache, die ich für mein Seelenwachstum brauche. Hier habe ich mich mit meinen Sternenkindern verabredet. Und genau hier werde ich sie irgendwann wieder sehen. Ich freue mich schon heute darauf, sie dort in den Arm schließen zu dürfen!

 

 

 

Von Herz zu Herz

 

Eure Renate

Bildquelle: „Rays of the sun breaking through the stormy sky, forming a marvelous rainbow" #89934288 © ET1972 - Fotolia.com